unselect

Zeitgenössische Kunst im Lichthof Ost des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zu Berlin

Eröffnung am Freitag, den 12. Juli 2019, 18.30 Uhr

Ausgehend von dem alltäglichen und omnipräsenten Phänomen der Selektion thematisieren die zehn Ausstellungen des Festivals unselect die Dichotomie zwischen natürlichen Auswahlmechanismen und kulturellen Selektionsmustern. Durch sämtliche Phänomene, die in den Forschungsbereich der Naturwissenschaften fallen, von physikalischen Versuchen, mathematischen Modellen und biologischen Prozessen, versucht der Mensch sich seine Umwelt zu erklären und dadurch greifbar zu machen. Die Evolutionstheorie mit dem von Charles Darwin geprägten Konzept der natürlichen Selektion stellt einen dieser Erklärungsversuche dar.
Mit dem erheblichen Einfluss, den die Spezies Mensch auf den Planeten nimmt, ist er derzeit zu einem entscheidenden Selektionsfaktor geworden. Denn mit der von ihm hervorgebrachten Kultur beeinflusst der Mensch diese natürlichen Auswahlmechanismen. Die damit geschaffenen Parallelgesetze stecken den Rahmen ab, in dem eine andere, kulturell bedingte Selektion zum Tragen kommt. Diese kann als
Zucht bezeichnet werden, die sich in praktizierter Selbstoptimierung, Wissensaneignung, Ernährungsweisen, Milieuverhalten, dem Umgang mit Medien wie auch einem Streben nach Effizienz in sämtlichen Lebensbereichen ausdrückt. Sei es der Algorithmus im Internet, der unsere Suche vorbestimmt, die auf uns zugeschnittene Werbung, die Partnervorschläge auf Tinder oder das Warensortiment im Supermarkt – unsere Umwelt ist von menschengemachten Vorauswahlen durchzogen. Dabei bedeutet zu selektieren, Einfluss zu nehmen und die Welt in der wir leben durch
die Angebote, die uns zur Verfügung stehen, die Nachrichten, die verbreitet werden oder die Kunst, die ausgestellt wird, mit zu gestalten.

Diese Dichotomie von natürlicher und kulturell bedingter Selektion generiert ein Spannungsfeld und fordert einen Diskurs. Tägliche Schlagzeilen führen uns dies vor Augen: von selbstfahrenden Autos – die Notwendigkeit der menschlichen Aufmerksamkeit obsolet machend – zur Debatte des Kohleausstiegs, welche die Bedürfnisse des Menschen und des Planeten parallel verhandelt. Aus diesem aktuellen Moment der Spannung zwischen Mensch und Natur heraus wird die Ausstellung
unselect verschiedene Aspekte des Phänomens der Selektion thematisieren und Fragen aufwerfen: In welchen Lebensbereichen begegnen uns Selektionsmechanismen? Handelt es sich dabei immer um Gegenpole oder können sie in Einklang gebracht werden? Ist es möglich, sich Selektionsmustern zu entziehen? Und was bedeutet es, nicht zur Auslese zu gehören?

In der Stadt Berlin scheinen gängige Auswahlmechanismen außer Kraft gesetzt – mit Jeans kann man in die Oper gehen, wobei der Zutritt in manch einen Club eine Herausforderung darstellt. Hier verschwimmen Grenzen kultureller Sphären von Tanz und Fetisch, von Theater und Performance, von Kunst und Aktivismus.

Mit ihren in der Stadt verstreuten Lehrorten, ihrer Sammlungstradition und Forschungsgeschichte sowie ihrer Verflechtung von Wissenschaft und Kunst bietet die Humboldt-Universität zu Berlin den perfekten Rahmen für das diesjährige Ausstellungsfestival der Kleinen Humboldt Galerie. An zehn unterschiedlichen Orten, von dem im 18. Jahrhundert erbauten Hauptgebäude Unter den Linden, zu den kaum bekannten Gewächshäusern in Dahlem, jahrelang stillgelegten Hörsälen der Charité
und modernen Foyers in Adlershof, werden Künstler*innen verschiedene Themenbereiche der Selektion aufgreifen. Diese sollen durch unterschiedliche Kunstformen wie Skulptur, Performances, Rauminstallationen, Sound- und Videoarbeiten für die Besuchenden erfahrbar gemacht werden und auf diese Weise einen Diskurs anregen.

Während die Ausstellung im Lichthof Ost des Hauptgebäudes, an die 10-jährige Tradition der Kleinen Humboldt Galerie an diesem Ort anknüpfend, einen Monat lang zu sehen sein wird, werden an neun weiteren Orten im Rahmen des Festivals eintägige Ausstellungen stattfinden. Ein Vermittlungsprogramm bestehend aus Workshops, Führungen und Vorträgen wird die Besucher*innen darüber hinaus anregen, sich mit dem Thema der Selektion kritisch zu beschäftigen.

Ausstellungsdauer: 13. Juli bis 09. August 2019
Öffnungszeiten: Mo-Sa, 12-20 Uhr

Gruppenausstellung